FRIEDENSDEKLARATION
6. August 2010

Zusammen mit den hibakusha, die heute vor 65 Jahren, ohne zu wissen wie ihnen geschieht, in eine „Hölle“ gestürzt wurden, die ihre schlimmsten Alpträume bei Weitem übertraf und dennoch mit knapper Not überlebten und zusammen mit den vielen Seelen der Menschen, die gewaltsam in den Tod gerissen wurden, heißen wir diesen 6. August erneut mit der Entschlossenheit willkommen, dass „Niemand jemals wieder solche Grausamkeiten erleiden müssen soll.“

Dank der Anstrengungen der hibakusha und der Stadtbewohner und mit Hilfe aus dem In- und Ausland ist Hiroshima nun wieder eine schöne Stadt; und jetzt wollen wir eine “Modellstadt für die Welt” werden und die Olympischen Spiele ausrichten. Die Botschaft, welche die hibakusha, die Höllenqualen durchstanden und auf die friedensliebenden Völker der Welt vertrauen, verbreiten, ist der Grundstein der japanischen Friedensverfassung und ein Leuchtfeuer für die Welt.

Die Ergebnisse der NVV-Überprüfungskonferenz, die im Mai dieses Jahres stattfand, sind der Beweis dafür. Das einstimmig angenommene Schlussdokument hält fest, dass der Wille aller Vertragsstaaten zur Abschaffung von Atomwaffen respektiert wird; dass der Stimme der Gesellschaft Gehör geschenkt werden muss; dass die überwiegende Mehrheit der Vertragsstaaten für eine in Phasen gegliederte Abschaffung von Atomwaffen ist; und dass neue rechtliche Rahmenbedingungen einschließlich eines Atomwaffensperrvertrages geschaffen werden müssen. Und damit bestätigt es, dass unsere Zukunft davon abhängt, die Schritte zu unternehmen, welche von den Städten Hiroshima und Nagasaki, den mehr als 4000 Mitgliedsstädten von “Mayors for Peace” und zwei Dritteln aller japanischen Kommunen, welche dem “Hiroshima-Nagasaki Protokoll” zustimmen, gefordert werden.

Dass der Schrei unseres Gewissens, die Stimme der Gesellschaft, die sich nach einer Zukunft ohne Atomwaffen sehnt, von den Vereinten Nationen erhört wurde, ist hauptsächlich den Führungsqualitäten Seiner Exzellenz Herrn Ban Ki-moon zu verdanken, der dieses Mal als erster Generalsekretär der Vereinten Nationen an unserer Friedensgedenkfeier teilnimmt. Aber auch die Regierung der Vereinigten Staaten unter Präsident Obama sowie die US-Bürgermeisterkonferenz mit 1200
Mitgliedsstädten hatten großen Einfluss darauf.

An dieser Zeremonie nehmen außerdem Regierungsvertreter aus über 70 Ländern und Vertreter von internationalen Organisationen, NROs und Bürgergruppen teil, um mit den hibakusha, deren Familien und Hinterbliebenen sowie den Bürgern von Hiroshima zu fühlen. In der Vergangenheit nahmen zwar Atommächte wie Russland oder China teil, aber dieses Jahr befinden sich zum ersten Mal der Botschafter der USA und Regierungsvertreter aus England und Frankreich unter den Gästen.

Die Dringlichkeit der Abschaffung von Atomwaffen hat begonnen, die Welt zu durchdringen, und die Stimme der überwiegenden Mehrheit der Weltbevölkerung ist im Begriff, die stärkste Kraft für Veränderungen in der Weltgemeinschaft zu werden.

Um diese günstige Gelegenheit zu ergreifen und eine Welt ohne Atomwaffen zu verwirklichen, müssen wir den lang gehegten Herzenswunsch der hibakusha der Welt direkt mitteilen und die Kluft zwischen den Seelen der hibakusha und der Welt verringern. Es gibt leider noch viele Menschen, die die Dringlichkeit der Abschaffung von Atomwaffen nicht erkennen und ihre Augen vor der Tatsache verschließen, dass die Auslöschung der Menschheit bis jetzt vermieden werden konnte, weil wir Glück hatten, und nicht weil wir so intelligent sind.

Jetzt liegt es an der japanischen Regierung, entschieden zu handeln. Um die “Führungsposition bei den Bemühungen um die Abschaffung von Atomwaffen” zu übernehmen, müssen zuerst Gesetze für die drei nicht-nuklearen Prinzipien erlassen und der Austritt aus dem atomaren Schutzschirm der USA in die Tat umgesetzt werden; außerdem müssen die rechtlich anerkannten Gebiete, in denen “schwarzer Regen” fiel, vergrößert und umfassende mitfühlende Unterstützungsmaßnahmen für die alternden hibakusha auf der ganzen Welt verwirklicht werden.

Aufrichtiges Engagement und Maßnahmen des Premierministers, die Träume der hibakusha zu verwirklichen, könnten eine
Welt mit „null Atomwaffen“ erschaffen und bis zum Jahr 2020 ein neues Kapitel der Menschheit aufschlagen, das mit der
„Entdeckung der Zahl Null“ selbst ebenbürtig wäre. Er könnte beispielsweise die Staatschefs der Atommächte auf die Dringlichkeit der Abschaffung von Atomwaffen hinweisen und die Führung beim Abschluss eines Atomwaffensperrvertrages übernehmen oder alle Länder aufrufen, ihre Atomwaffen- und Rüstungsbudgets zu kürzen; seine Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Auch wir Bürger und Städte werden handeln. Gemäß dem „Hiroshima-Appell“, der im Rahmen der am Ende letzten Monats stattgefundenen „Hiroshima Konferenz für eine totale Abschaffung von Atomwaffen bis zum Jahr 2020“ angenommen wurde, werden wir eng mit gleichgesinnten Nationen, NROs, den Vereinten Nationen usw. zusammenarbeiten, um noch höhere Wellen für die Abschaffung von Atomwaffen bis zum Jahr 2020 zu schlagen.

Abschließend möchte ich an diesem 65. Jahrestag des Atombombenabwurfs den Seelen der Opfer mein tiefempfundenes Mitgefühl aussprechen, und ich verkünde hiermit, dass wir die geduldigsten Menschen der Welt - die hibakusha - nicht länger dazu zwingen dürfen, weiterhin geduldig zu sein; jetzt ist es die mit äußerster Anstrengung zu verfolgende Pflicht der Menschheit, eine Welt ohne Atomwaffen auch nur einen Tag früher zu verwirklichen, damit sich alle hibakusha von Herzen freuen und sagen können „Ich bin glücklich, dass ich diesen Tag noch erleben durfte.“

Tadatoshi Akiba Bürgermeister Stadt Hiroshima
Übersetzung: Ability InterBusiness Solutions, Inc.
 


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